Ablehnung des Kurantrages - Was nun?

Bei chronischen Krankheiten wie Polyarthritis, nach einem Schlaganfall oder einer Gelenkoperation sind viele Betroffene auf Rehabilitationsmaßnahmen angewiesen. Die sogenannte Reha soll Kraft, Beweglichkeit und Selbständigkeit der Erkrankten erhalten und Folgeerkrankungen verhindern. Doch immer wieder kommt es vor, dass die Krankenkassen oder die Rentenversicherung die Kosten für eine Reha nicht übernehmen, obwohl der behandelnde Arzt die Maßnahme empfiehlt.

Reha-Antrag bei Krankenkasse oder Rentenversicherung stellenZuständig für einen Reha-Antrag ist die Rentenversicherung oder die Krankenkasse:

  • Für Erkrankte im erwerbsfähigen Alter ist die Rentenversicherung der Ansprechpartner für die Übernahme der Reha-Kosten. Dabei gilt der Grundsatz "Reha vor Rente".
  • Für Kinder, Jugendliche, Rentner oder für Menschen, für die kein anderer Kostenträger vorrangig zuständig ist, sind die Krankenkassen verantwortlich. Hier gilt die Devise "Reha vor Pflege".

Warum Krankenkassen Reha-Anträge ablehnen
Die unterschiedlichen Finanztöpfe sind problematisch: Wenn zum Beispiel die Krankenkasse für eine Reha bezahlt und dadurch die Pflegebedürftigkeit vermeidet oder hinausschiebt, profitiert sie nicht selbst davon, sondern die Pflegeversicherung. Deshalb fehlt für die Krankenkasse häufig der Anreiz, eine Reha-Maßnahme zu bewilligen. Je größer der finanzielle Druck ist, der auf einer Krankenkasse lastet, umso häufiger werden Reha-Anträge abgelehnt:

  • auf Kosten der Erkrankten, die dadurch ihre Lebensqualität und ihre Selbständigkeit verlieren
  • auf Kosten der Allgemeinheit, denn die Kosten der Pflege und früheren Rente sind in der Regel um ein Vielfaches höher als die bei den Krankenkassen eingesparten Reha-Kosten

Viele Experten fordern deshalb ein Ende des sogenannten Genehmigungsvorbehalts. Das bedeutet: Nicht die Krankenkasse oder die Rentenversicherung sollen Reha-Maßnahmen genehmigen, sondern die Ärzte.

Tipps für den Reha-Antrag
Der Reha-Antrag sollte die zu behandelnde Erkrankung, Begleitkrankheiten und besondere Erfordernisse - etwa eine Gangschulung - enthalten. Lehnt die Krankenkasse oder die Rentenversicherung den Antrag ab, sollten Betroffene sofort Widerspruch einlegen. Dafür hat der Antragsteller einen Monat Zeit. Wird die Ablehnung telefonisch mitgeteilt, sollte man darauf bestehen, dass ein schriftlicher Bescheid ausgestellt wird. Widersprüche gegen abgelehnte Reha-Anträge sind häufig erfolgreich. Hilfe beim Widerspruch geben Anwälte und Beratungsstellen wie der Arbeitskreis Gesundheit, die Unabhängige Patientenberatung Deutschland und die Sozialverbände.

Reha-Anträge oftmals pauschal abgelehnt?
Eine Rehabilitationsmaßnahme ist bei ausgewählten Erkrankungen oder auch nach einigen Operationen eine sinnvolle Behandlungsoption. Doch immer wieder berichten genervte oder gar verzweifelte Menschen der Redaktion Visite von den Schwierigkeiten, eine Reha bewilligt zu bekommen, obwohl der Arzt sie ausdrücklich empfiehlt: Das Antragsverfahren sei kompliziert, Krankenkassen oder die Rentenversicherung würden Reha-Anträge anscheinend pauschal ablehnen.

Die Tricks der Krankenkassen erkennen
Immer wieder lehnen Krankenkassen die vom Antragsteller gewünschte Reha-Klinik ab und verweisen auf eine andere Klinik, mit der die Kasse einen Versorgungsvertrag hat. Darauf müssen sich Betroffene nicht einlassen: Falls ihre Wunschklinik medizinisch geeignet ist, muss dort auch eine Reha möglich sein. Ist die Wunschklinik jedoch teurer als die von der Krankenkasse vorgeschlagene Klinik, muss der Betroffene die Mehrkosten bezahlen. Doch in keinem Fall müssen Versicherte die gesamten Kosten für den Klinikaufenthalt vorstrecken, auch wenn einige Kassen das behaupten. Falsch ist auch die Behauptung einiger Sachbearbeiter, die Versicherten müssten mit den Kliniken Wahlleistungsverträge abschließen. Wer sich von seiner Krankenkasse abgewimmelt oder falsch beraten fühlt, kann sich auch hierbei für Unterstützung an Beratungsstellen wie den Arbeitskreis Gesundheit, die Unabhängige Patientenberatung oder den Sozialverband wenden.

Quelle: NDR 

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