Mehrwert für einen Publikumsmagneten

- Dr. Ulrich Hermanns, Münster
Bauarbeiten für Informationszentrum an den Externsteinen haben begonnen
Lemgo/Horn-Bad Meinberg, 26. Mai 2010. Die Eröffnung des neuen Informationszentrums an den Externsteinen rückt in greifbare Nähe: Am heutigen Mittwoch gaben der Landesverband Lippe, die Schutzgemeinschaft Externsteine e. V. und die Nordrhein-Westfalen-Stiftung Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege den Startschuss für den Baubeginn der Einrichtung.
„Das Informationszentrum soll ein zentraler Anlaufpunkt für Besucher sein, die sich über das Denkmal informieren und Näheres über die Eigenarten und die Bedeutung der umgebenden Natur erfahren wollen“, erläuterte Klaus Stein, Allg. Vertreter des Verbandsvorstehers und Geschäftsführer der Denkmal-Stiftung des Landesverbandes Lippe. Neben der verbesserten Information erhoffe sich der Landesverband Lippe außerdem eine optimierte Besucherlenkung: „Nur so können wir die Erhaltung, den Schutz und die Pflege der Externsteine mit dem einzigartigen Kreuzabnahmerelief und dem rund 125 Hektar großen Naturschutzgebiet auch in Zukunft garantieren. Sie sind ein bedeutendes Natur- und Kulturdenkmal von europäischem Rang, das auch für nachfolgende Generationen bewahrt werden muss.“
Das Informationszentrum entsteht am Zugang zu den Externsteinen, in direkter Nachbarschaft zur Gaststätte an den Externsteinen, im dem ehemaligen „Rucksackraum“, skizzierte Axel Bley, Leiter Technisches Immobilienmanagement beim Landesverband Lippe. „Das Gebäude öffnet sich mit einem gläsernen Foyer, für das wir einen Teil des bestehenden Dachs sozusagen bis in die Neigung der gegenläufigen Dachfläche aufklappen.“ Dadurch entstehe ein großzügiger Eingangsbereich. In diesem Bereich werden ein Informationsschalter mit einem Schreibtisch-Arbeitsplatz und ein kleiner Shop eingerichtet. Im dahinter liegenden Raum wird eine frei zugängliche Ausstellung die Kultur- und Naturgeschichte der Externsteine darstellen und geologische Besonderheiten der Externsteine in einer spannenden Reise durch die Epochen präsentieren. Der architektonische Entwurf für den Umbau des Gebäudes und die Gestaltung von Foyer und Ausstellung stammen vom Büro Dr. Hermanns – Ausstellung Medien Transfer (Münster), das den Wettbewerb für die Ausstellungsgestaltung gewann.
„Die Baukosten belaufen sich auf rund 500.000 Euro, insgesamt sind für das Projekt aber Investitionskosten in Höhe von 1,1 Millionen Euro anzusetzen“, betonte Stein. Ohne die Kooperation mit der Schutzgemeinschaft Externsteine e. V. und die großzügige Förderung durch die Nordrhein-Westfalen-Stiftung Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege sei das Projekt deshalb nicht umsetzbar gewesen. „Die NRWStiftung stellt auf Anregung der Schutzgemeinschaft Externsteine e.V. für den kulturhistorischen Teil der Ausstellung im Informationszentrum einen Zuschuss von bis zu 250.000 Euro zur Verfügung, beiden Partnern gebührt dafür großer Dank.“
„Gern helfen wir mit unserer Förderung, mehr Informationen für die zahlreichen Besucher aufzuarbeiten“, begründete Mona Wehling, Kulturreferentin der NRW-Stiftung das Engagement. „Außerdem liegen die Externsteine inmitten eines bedeutsamen Naturschutzgebietes, und hinter dem Vorhaben steht ein engagierter Verein.“ „Auch wir freuen uns natürlich sehr darüber, dass wir heute den Baubeginn für das Informationszentrum ankündigen können“, ergänzte Peter W. Reipschläger, Vorsitzender der Schutzgemeinschaft Externsteine e.V. Erst die Unterstützung der NRW-Stiftung habe die inhaltliche Gestaltung und medientechnische Ausstattung des Zentrums sicher gestellt, „der Förderbescheid vom 10. Juli 2009 war Auslöser für die Freigabe des Projekts zur Feinplanung.“ Als weitere unerlässliche Voraussetzung hob Reipschläger die Entschlossenheit des Landesverbandes Lippe hervor, den Projektvorschlag umzusetzen: „Ohne diese Bereitschaft wären wir heute nicht hier.“ Die Schutzgemeinschaft Externsteine e. V. habe seit ihrer Gründung vor zehn Jahren das vorrangige Ziel, die Externsteine mit der sie umgebenden Natur als Kultur-, Boden- und Naturdenkmal zu fördern und zu schützen. „Die Aufwertung durch ein qualifiziertes Informationsangebot und durch optimierte Rahmenbedingungen für die Besucher ist ein entscheidender Bestandteil des Schutzes“, so Reipschläger.
„Für den naturkundlichen Teil der Ausstellung und den Naturerlebnispfad erhalten wir außerdem eine Förderung aus EFRE-Mitteln der Europäischen Union in Höhe von rund 300.000 Euro“, hob Stein hervor. Ein weiterer, unverzichtbarer Kooperationspartner sei zudem die Biologische Station Lippe – sie begleite neben der Schutzgemeinschaft e. V. die Planungen für den Naturerlebnispfad mit GPSAnbindung, der an so genannten VIN-Points – Very Interesting Nature – die Lebensräume der oftmals geschützten Tiere und Pflanzen, die im Naturschutzgebiet Externsteine vorkommen, erlebbar machen soll. „Noch in diesem Jahr soll mit den Arbeiten für den Pfad begonnen werden.“ Das Konzept für die Ausstellung im Informationszentrum wurde von Dr. Christiane Ruhmann, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Erzbischöflichen Diözesanmuseum Paderborn, entwickelt und gemeinsam mit einem Arbeitskreis erarbeitet; zu den Ausstellungstexten trugen auch Professor Rainer Springhorn vom Lippischen Landesmuseum, Lydia Bünger und Roland Linde bei. Für das Gestaltungskonzept zeichnet das Büro Dr. Hermanns verantwortlich: „Bei der gestalterischen Umsetzung arbeiten das Lippische Landesmuseum, die Schutzgemeinschaft Externsteine e.V. und das Büro Dr. Hermanns eng zusammen.“
Stephan Radeck, Fachbereichsleiter bei der Denkmal-Stiftung, freut sich auf die Attraktivierung des Umfelds der Externsteine: „Wir werden künftig regelmäßige Erlebniswanderungen und thematisch zugeschnittene Führungen anbieten, die das hier vorgestellte Konzept abrunden und den jährlich rund eine halbe Million Gästen – Schulklassen, Erholungssuchende, Tagestouristen und Urlauber – einen deutlichen Mehrwert bringen.“ Durch die Optimierung von Besucherinformation und -lenkung könnten Radeck und sein Team aus Mitarbeitern des Landesverbandes Lippe und ehrenamtlichen Erlebnisführern die Verbindung von Kultur und Natur am „Publikumsmagneten Externsteine“ noch bewusster machen.



